Der Speckpater: Ein Europäer der ersten Stunde
Das 1947 gegründete Werk Kirche in Not, das vor mehr als 60 Jahren als Ostpriesterhilfe begann und heute ein weltweit tätiges Hilfswerk ist, wurde von seinem Gründer P. Werenfried van Straaten selbst eine Schule der Liebe genannt. In den Kreisen der Vertriebenen ist Pater Werenfried als legendärer „Speckpater“ bis heute nicht vergessen. Er hat nicht nur den deutschen Heimatvertriebenen materiell und geistig geholfen, sondern später auch den verfolgten Christen in Osteuropa Hilfe gebracht. Vor allem hat er von Anfang an durch seine Versöhnungsarbeit auch den Völkern des Westens einen Dienst erwies: „Unzählige haben in der Ostpriesterhilfe wie in einer Schule der Liebe das Wesen des Christentums entdeckt und leben gelernt“, schreibt Pater Werenfried in seiner Autobiographie.Im Jahre 2009 sind die Bürger in 27 EU-Staaten zur Wahl ihrer Abgeordneten für das Europaparlament aufgerufen. Das motiviert uns zur Feststellung, dass ein echter Europäer der ersten Stunde auch Pater Werenfried van Straaten war. Er betonte oft das Wort von Papst Pius XII., dass es das Christentum war, das die Seele Europas am meisten geformt habe. Wenn er in Belgien und in seinem Geburtsland, den Niederlanden seit 1948 um Hilfe für die ehemaligen Feinde bat, so überwand er dadurch den Hass auf die Deutschen als Okkupanten des Zweiten Weltkrieges. Seine Versöhnungspolitik kann erst richtig ermessen werden, wenn man sich ins Gedächtnis ruft, dass damals am 17. März 1948 noch der Brüsseler Beistandspakt zwischen den Benelux-Staaten, Großbritannien und Frankreich geschlossen wurde, der in seiner Präambel und seinen Zusatzprotokollen noch von einer Prävention gegen deutsche Aggression ausgeht.
Verurteilung des Unrechts der Vertreibung
Mit seinem Aufruf zur Versöhnung und seiner Schule der Liebe legte Pater Werenfried den Grundstein für ein neues friedliches Zusammenleben in Europa. Er verurteilte die Vertreibung von zwölf Millionen Ostdeutschen, wie das auch Papst Pius XII. getan hatte, und tat alles, „um in Flandern und Holland den Hass auf die Deutschen zu überwinden und die Liebe wieder herzustellen“. So schreibt er selbst in seiner 2008 wieder aufgelegten Buch „Sie nennen mich Speckpater“.Es war das Verdienst von Pater Werenfried, Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft gegenüber allen, auch den ehemaligen Feinden und auch gegenüber den unterlegenen Deutschen gepredigt und in die Tat umgesetzt zu haben. Mit seinem Weihnachtsartikel „Kein Platz in der Herberge“ in der Zeitschrift seiner Abtei Tongerlo gründete er 1947 die Ostpriesterhilfe, die damals zunächst auch abgelehnt und bekämpft wurde: Die Deutschen hätten ein kurzes Gedächtnis, wenn sie jetzt mit Werenfried an das Mitgefühl der Belgier appellierten, schrieben die Zeitungen. Doch bald trat eine Wandlung ein. Pater Werenfried predigte sogar in der Gemeinde Vinckt, wo die Deutschen im Zweiten Weltkrieg 96 Männer erschossen hatten. In seiner Autobiographie „Sie nennen mich Speckpater“ schreibt er über seine Erfahrungen.
Dieses Buch des 2003 verstorbenen P. Werenfried ist auch heute noch lesenswert, ja sollte Pflichtlektüre aller sein, die über Versöhnung reden. Manche ebenfalls von Deutschen im Zweiten Weltkrieg besetzte Länder und ihre Bewohner könnten vom belgischen Beispiel lernen.
Nicht nur in Belgien, auch in Luxemburg und in den Niederlanden gab es diese Wandlung. Es war Luxemberg die Caritas, die im Namen Werenfrieds zur Hilfe aufrief:
„Der Papst wandte sich an das Weltgewissen. Viele, allzu viele hörten nicht auf diese Stimme. Er hat uns klar und eindeutig zu verstehen gegeben, dass die Not und Armut der Flüchtlinge eine Sünde ist. Eine Sünde der Menschheit. Unsere Sünde, wenn wir nicht helfen, wo wir können.“
Die Ostpriesterhilfe bewirkte, dass in weiten Kreisen der Öffentlichkeit der Benelux-Staaten nicht nur für die sozialen, sondern auch für die heimatpolitischen Anliegen der Vertriebenen Verständnis aufkam. Ein Aufsatz von Pater Werenfried erschien 1949 in verschiedenen Zeitungen, in dem er auf die Folgen der Konferenz von Potsdam hinwies:
„Durch die gemeinsame Aktion der Massenaustreibungen hat das Triumvirat von Potsdam für immer das Recht verwirkt, anklagend auf andere hinzuweisen und sie wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und wegen Völkermordes zu verurteilen. Potsdam war eine Todsünde gegen die Natur.“
Werenfrieds Beitrag, der die Mauern niederreißen wollte, die durch Krieg, Hass und Unrecht zwischen den Völkern errichtet waren, erschien auch in der Zeitung „Maasbode“ in Rotterdam, der Stadt, dessen Zentrum die deutsche Luftwaffe bei Beginn des Krieges völlig zerstört hatte, obwohl die Niederlande ein neutrales Land waren.
Als Pater Werenfried 1948 zum ersten Male nach Königstein kam und den dortigen Leiter des Königsteiner Priesterreferates und der Königsteiner Anstalten mit dem Priesterwerk und der Philosophisch-Theologischen Hochschule, Prälat Adolf Kindermann, traf, entstand eine europäische Freundschaft, die Grenzen sprengte. Da die Vertriebenennot in ihrem Ausmaß alle Befürchtungen übertraf, erkannte man in Deutschland bald, dass diese Not ohne Hilfe des Auslandes nicht bewältigt werden konnte. Immense Hilfe kam von Pater Werenfried. „Er durchreiste deshalb Deutschland kreuz und quer.“ schreibt Prälat Kindermann in seiner Studie über „Religiöse Wandlungen und Probleme im katholischen Bereich“ in einem Werk über die Vertriebenen in Westdeutschland. „Er besuchte die Vertriebenen in ihren Elendsquartieren, in den Lagern, in den Bunkern der Städte. Er ließ sich von ihnen erzählen, von ihren Qualen in den Internierungslagern, von den Schrecken, die sie durchlebt hatten, ehe die Freiheit sie aufnahm, von ihren Verlusten an lieben Menschen und an ihrer Habe, von ihrer gegenwärtigen Not, mit der sie so schwer fertig würden. Es fehlte ja alles. Mit Leidensgenossen, aber doch fremden Menschen waren sie zusammengepfercht, was die Not nur noch vervielfältigte. Es fehlte alles, um einen Haushalt aufzubauen, auch das Primitivste, ganz abgesehen von der Nahrungssorge und der Bekleidungsnot.“
„Das Schiff heißt Europa“ Pater Werenfried gab seine Erfahrung in seiner Heimat und in anderen Ländern Europas in Predigten und Vorträgen, in Presse und Rundfunk in vielen Sprachen weiter und weckte so Hilfsbereitschaft und erstes europäisches Interesse zunächst in Belgien, Luxemburg und den Niederlanden, dann aber auch bald bei den Schweizern, Franzosen, Iren und Spaniern. „Das ist das Große und Einmalige an der Ostpriesterhilfe, dass sie immer neue Wege aufzeigte, die ein Ermüden und Erschlaffen in sich nicht ermöglichten“, schreibt Kindermann und zitiert Pater Werenfried: „Wir alle fahren auf einem Schiff und dieses Schiff heißt Europa! Wir Ausländer fahren noch in der Luxuskabine, die Deutschen im Zwischendeck oder gar unten im Schiffsraum. Aber das alles ist gleichgültig, wenn das Schiff leck ist. Und das Schiff Europa ist leck. Da heißt es, die Ärmel hochkrempeln und pumpen, sonst gehen wir alle unter, ganz gleich, wo wir stehen.“
Von Anfang an war die Ostpriesterhilfe im europäischen Rahmen länder- und grenzüberschreitend. Spenden kamen in großen Lastzügen aus Belgien und Holland nach Königstein. Zwischen deutschen und ausländischen Kindern, die Pakete nach Deutschland schickten, entstand ein reger Briefverkehr und bald auch bis heute dauernde Freundschaften. Hunderte unterernährte deutsche Kinder wurden für sechs Monate zu belgischen Familien eingeladen, ebenso heimatvertriebene deutsche Priester, die einige Wochen Ferien in ausländischen Klöstern machen konnten und deren Dienst in Deutschland insgesamt etwa 800 bis 1000 ausländische Priester für diese Zeit übernahmen.
Als mit den Kapellenwagen die Kirche buchstäblich in die Dorf der deutschen Diaspora kam, war dies wieder nur möglich, weil mehr als die Hälfte der Kapellenwagenmissionare aus dem Ausland kamen. Im Jahre 1954 zum Beispiel fuhren 28 Kapellenwagen monatelang in der Diaspora. Daran nahmen 169 Priester teil, davon waren nur 82 aus Deutschland, 41 kamen aus den Niederlanden, 40 aus Belgien, zwei aus Frankreich, zwei aus der Schweiz und zwei aus Österreich. „Sie kamen aus 25 Orden. Daran kann man die europäische Weite und kirchliche Gesamtbeteiligung an diesem Werke christlicher Liebe erkennen“, stellt Prälat Kindermann fest und ergänzt diesen Hinweis auf die europäische Dimension des Werkes von Pater Werenfried noch durch Hinweise auf die internationale Arbeitsgemeinschaft des von Pater Werenfried ins Leben gerufenen Bauordens, in dem Jugendliche aus vielen Nationen in verschiedenen Ländern tätig waren und wo die völkerverbindende Atmosphäre ebenso wertvoll war wie der materielle Bauertrag.
„Ein Werk der Versöhnung“ – Das Werk wird international
Nach den Anfängen Weihnachten 1947 und den ersten Hilfsaktionen 1948 in Deutschland, wurde das Werk durch seine Beziehung des Prämonstratenserordens bald ein europäisches Hilfswerk. Da es auch Hunderttausende von Vertriebenen in Österreich gab, wurden sie in die Hilfe einbezogen. So dankte Kardinal Theodor Innitzer als Erzbischof von Wien:„Gerne und dankbar denke ich an das viele Gute, das Sie durch die Ostpriesterhilfe in unserer Erzdiözese gewirkt haben. Sowohl diejenigen, die sich in gebefreudiger Liebe Ihrem Aufruf nicht verschlossen haben, als auch die vielen, welchen durch diese Liebe geholfen wurde, sind Ihnen und Ihrem Werke den größten Dank schuldig!“
In den einzelnen österreichischen Bistümern wurden die Vertriebenenseelsorger von der Ostpriesterhilfe unterstützt. Die österreichische Bischofskonferenz hatte Msgr. Dr. Zauner, den Koadjutor von Linz als „Flüchtlingsbischof“ ernannt. Er schrieb:
„Mit Bangen habe ich mich den Beschlüssen der Bischofskonferenz gefügt, als Referent insbesondere die Flüchtlingsangelegenheiten zu übernehmen. Der Obsorge der Priester und Flüchtlinge habe ich mich bisher mit besonderer Liebe zugewandt und werde es in Zukunft noch mehr tun, wenn auch meine Möglichkeiten zu einem schönen Erfolg nicht groß sind. Willkommen ist mir das Angebot, wenn zu einem Bischofskoadjutor ein tüchtiger Speckpater kommt. Da wird sicher etwas Gutes daraus. Ich freue mich, Ihr Bundesgenosse sein zu dürfen.“
Solche „Bundesgenossen“ hatte Pater Werenfried bald in ganz Europa. Es begann verständlicherweise in Belgien, da der gebürtige Holländer van Straaten in das belgische Kloster Tongerlo eingetreten war. Hier wurde die Initiative Werenfried zu einem Versöhnungswerk, das nach den Jahren der Besetzung der Benelux-Länder durch die Deutsche Wehrmacht an die Stelle des Hasses die versöhnende Verzeihung und Hilfe setzte. So schrieb in Belgien der Bischof von Lüttich in einem Hirtenbrief an alle Gläubigen:
„Meine lieben Brüder, Ihr kennt das schöne Werk der Ostpriesterhilfe… Ein leibliches und geistiges Werk der Barmherzigkeit. Ein Werk der echten Liebe im Geiste der Versöhnung und der Verzeihung nach dem Beispiel Christi, wodurch wir beweisen können, dass es nicht wahr ist: «die Christen sind wie alle anderen, sie kennen keine Vergebung».“
Ähnlich lesen wir im Hirtenbrief des Bischofs von Brügge:
„Wir freuen uns über die herrlichen Bemühungen christlicher Nächstenliebe und Apostolates, wie sie die Ostpriesterhilfe darstellt. Ebenfalls freuen wir uns über den rastlosen Eifer, mit dem die Ostpriesterhilfe Vorbereitungen trifft für die Stunde, da man der gemarterten Kirche in Osteuropa mehr direkte Hilfe wird bieten können. Ganz besonders schätzen Wir Ihre Bemühungen um den Bau von Seminaren nach den Richtlinien der verschiedenen Flüchtlingsbischöfe, in denen neue Priester für die Völker herangebildet werden. Gern erteilen wir diesem prächtigen Werk Unsere Genehmigung und Unseren Segen allen denen, die sich dafür einsetzen.“
Der Kardinal von Mecheln als Primas der Kirche in Belgien schrieb an Pater Werenfried:
„Mit großer Aufmerksamkeit haben Wir von dem Bericht bezüglich der Organisation und der Arbeit der Ostpriesterhilfe Kenntnis genommen. Aus den gemachten Mitteilungen geht hervor, dass das Werk auf einer festen Basis gegründet ist, dass seine Arbeitsweise gesund und fruchtbar ist, und dass es sich den mannigfaltigen und lobenswerten Formen der Nächstenliebe in wachsendem Kreise widmet. Wir erneuern darum auch gern Unsere Genehmigung der Ostpriesterhilfe und hoffen und beten, dass Gott dieses verdienstliche Werk gütigst segnen möge.“
Zwei weitere Briefe zeigen, dass alle belgischen Bischöfe für das Werk waren. So schreibt der Bischof von Gent:
„Ich beglückwünsche Sie von Herzen zu dem wunderbaren Erfolg Ihres Apostolats und bin wirklich stolz darauf, dass die Gläubigen meines Bistums mit soviel Begeisterung und Großzügigkeit dem Aufruf der Ostpriesterhilfe Folge geleistet haben.“
Und auch der Bischof von Tournai beglückwünschte Pater Werenfried zu dem Erfolg der Ostpriesterhilfe und hofft von Herzen
„dass Ihr Werk immer mehr Gutes leisten wird. Es war eine Freude für mich, Ihnen die Hilfe und Mitarbeit meines Bistums anbieten zu können.“
Bald weitete die Ostpriesterhilfe von Belgien, vor allem von Flandern, ihre Aktionen der Hilfe auf die Niederlande aus. Das beweist die Aussage des Kardinals von Utrecht:
„Die von der Ostpriesterhilfe übernommene Aufgabe, den vertriebenen und geflohenen Priestern und Gläubigen aus dem Osten die größtmögliche Hilfe zu bieten, besitzt Unsere besondere Genehmigung, und wir empfehlen dieses Werk nachdrücklich.“
Zu einem echten europäischen Hilfswerk wird dann die Ostpriesterhilfe, als auch Frankreich in die Reihe der Helfer tritt. Das war lange vor der Versöhnung, die Adenauer und De Gaulle erreichten! Der Kardinal von Paris schrieb:
„Mit Freuden erteilen wir der Ostpriesterhilfe die Genehmigung, da sie sich nun vorbereitet, auch in Frankreich eine Hilfsaktion für die aus dem Osten geflohenen und vertriebenen Priester zu organisieren. Wir hoffen, dass sich die französischen Katholiken, im Bewusstsein des internationalen Charakters der Hl. Kirche, von Herzen dem Werke anschließen werden, welches den leidenden Brüdern in Osteuropa die Kraft bietet, weiter auszuharren und zu hoffen.“
Auch ein weiterer Kardinal in Frankreich, der Erzbischof von Lyon schließt sich an:
„Gern empfehlen wir das Werk der Ostpriesterhilfe, dessen Zentrale sich in der Abtei von Tongerlo befindet, der Großzügigkeit der französischen Katholiken. Der äußerst schmerzliche Zustand, in dem sich Tausende von Priestern aus den osteuropäischen Bistümern befinden, darf den Christen nicht gleichgültig bleiben. Ihre Sympathie muss sich äußern durch beharrliches Gebet für die unglücklichen Brüder und durch tatkräftige Unterstützung des Hilfswerkes, das sich um Linderung dieser Not bemüht.“
Bald gelang Werenfried auch der Sprung über den Kanal, denn aus Irland schrieb der Kardinal von Armagh als Vorsitzender der Irischen Bischofskonferenz:
„Ich freue mich, Ihnen mitteilen zu können, dass die verdienstvolle Arbeit der Ostpriesterhilfe anlässlich der letzten Versammlung der irischen Hierarchie besprochen und gerne genehmigt wurde. Ihre Aktion wird künftig nicht nur mit der moralischen, sondern auch mit der finanziellen Unterstützung des irischen Episkopates rechnen können.“
Da schon 1951 der erste Kongress „Kirche in Not“ im holländischen Hilversum und seit 1952 regelmäßig in Königstein stattfand, wurde der Blick auch nach dem Osten Europas gerichtet. In allen bisher genannten Ländern verfolgten auch die Nuntien das Wachsen des Werkes. Der Päpstliche Nuntius in Deutschland schrieb:
„Es ist mir eine Freude, Ihnen mitzuteilen, dass der Hl. Vater mit großer Aufmerksamkeit und froher Genugtuung Kenntnis genommen hat von Ihrer Arbeit. Der Hl. Vater verleiht Ihnen seinen Apostolischen Segen und wünscht, dass auch in Zukunft Ihre Arbeit viel Erfolg haben möge, und dass Sie weitergehen werden, in der Liebe Christi die Armen und Verlassenen durch Trost und Hilfe zu ermuntern.“
Auch der Päpstliche Nuntius in Holland war voller Lob:
„Das Interesse und die Anteilnahme, die jeder ehrliche Mensch aufbringen muss für die schreckliche Not, der unsere Kirche in diesen Zeiten ausgesetzt ist, bestimmen die Freude, die ich empfinde, wenn ich höre, dass auf Ihren Kongressen «Kirche in Not» diese Probleme gründlich angefasst werden.“
Gleiches gilt von der Nuntiatur in Brüssel:
„Ich habe nicht versäumt, die Aufmerksamkeit des Heiligen Vaters auf das Werk der Ostpriesterhilfe zu richten, welche durch eine so rührende priesterliche Liebe inspiriert ist, und für die ich die größte Aufmerksamkeit und Bewunderung hege. Es freut mich, Ihnen mitteilen zu können, dass Seine Heiligkeit mit väterlicher Freude die Arbeit verfolgt und von ganzem Herzen Ihre Bemühungen, von denen Sie mit Hilfe der Göttlichen Gnade die reichlichsten und trostreichsten Früchte erhofft, segnet.“
Die Ostpriesterhilfe als paneuropäische Aktion
Es war 1947 ein schwieriges Abenteuer zu sein, dessen war sich Pater Werenfried bewusst, denn er schrieb: „Gott weiß, dass der fünfunddreißigjährige Ordensmann, der diesen Auftrag erhielt, weder die körperliche Kraft, noch die Weisheit, noch die vielen anderen Erfordernisse und Talente aufweisen konnte, die nach menschlichem Ermessen für diese Aufgabe unentbehrlich schienen. Seine Aktion zugunsten der geschlagenen und nicht selten noch verhassten ehemaligen Feinde stieß verständlicherweise auf Misstrauen, Verdächtigung, Gegenarbeit und andere Schwierigkeiten, die mit Zustimmung Gottes den Fortschritt des Guten allgemein zu stören pflegen.Trotzdem entstand ein europäisches Versöhnungswerk zunächst zwischen Deutschen und Belgiern, dann auch zu den Völkern Osteuropas. Vom Tage an, da eine flämische Bäuerin das erste Kilo Speck für hungernde Deutsche schenkte, wuchs die Ostpriesterhilfe mit wunderbarer Geschwindigkeit zu einer Internationale der Liebe, in welcher zur Zeit dreiundzwanzig Völker schenkend oder empfangend verbunden sind.“
Dafür sind viele Briefe an Pater Werenfried aus ganz Europa ein Beweis. So schrieb schon in den ersten Jahren der Hilfe der polnische Erzbischof Gawlina: „Die Zukunft der Kirchen Europas liegt im Osten. Mir scheint es immer, als habe der allmächtige Arm der Vorsehung Gottes die Sovietvölker bis an die Tore unserer Kathedralen vorgeschoben, damit wir sie in die Kirche eingliedern. Sie, Hochverehrter Herr Pater, werden die große Genugtuung haben, dass Sie durch Ihren hochherzigen Entschluss dem Wirken Gottes vorgearbeitet und durch seine energische Ausführung die Arbeitskräfte der Kirche für den Osten vorbereitet geholfen haben. Es kann nicht geleugnet werden, dass die von unserem polnischen Kleinseminar in Paris erreichten glänzenden Ergebnisse der Ostpriesterhilfe zu verdanken sind. Obwohl man schon seit geraumer Zeit Unterstützung für das Kleinseminar verspricht, lehrt die Erfahrung, dass bisher nur die Ostpriesterhilfe edelmütig geholfen hat. Ich versichere Ihnen, dass ich persönlich sowie die H.H. Bischöfe in Polen in ihren Herzen die tiefste Dankbarkeit bewahren werden für alles
Gute, welches Sie und Ihr glänzendes Hilfswerk uns erwiesen haben und das als eine Großtat der christlichen Liebe in die Geschichte eingehen wird.“
Ein Fachmann des Ostens war in Rom Kardinal Tisserant von der Hl. Kongregation der Ostkirchen. Er begrüßte die Aktivitäten des Speckpaters und schrieb ihm:
„Wir wissen, welche unschätzbaren Dienste Ihr Werk den vertriebenen Priestern aus Osteuropa bereits erwiesen hat, und ebenso der ‚Reorganisation des Apostolats und dem Ehrendienst für die Flüchtlinge und Vertriebenen in Deutschland. Mit großer Dankbarkeit haben wir sodann auch Kenntnis genommen von der Unterstützung, welche Sie den russischen Flüchtlingen zukommen lassen. Die Hl. Kongregation der Ostkirche legt den größten Werd darauf und erbittet jetzt ebenfalls Ihre Hilfe für das vorliegende Projekt.“
Pater Werenfried hatte als Holländer stets ein Herz für die kleinen Völker des Ostens, die entweder wie die Baltischen Völker in die Sowjetunion einverleibt worden waren oder als Satellitenstaaten Moskaus unterdrückt wurden. Da der Priesternachwuchs im Osten behindert oder teilweise ganz unmöglich war, half Werenfried den vertriebenen oder geflüchteten Priester und Theologiestudenten in Rom, wofür sich der Exil-Bischof Padolskis für die Litauer bedankte:
„Die Unterstützung für unser Priesterkolleg in Rom hat uns allen große Freude bereitet. Wir werden uns bemühen, dieser Hilfe würdig zu sein. Auch werden wir für unsere Wohltäter recht herzlich beten.
Der Exilseelsorger für die Tschechen, Dr. Heidler schrieb:
„Die beiden letzten Kongresse «Kirche in Not», die von der Ostpriesterhilfe organisiert waren, waren eine ausgezeichnete Gelegenheit, um das Interesse für unsere Probleme zu wecken, und wir sind unendlich dankbar, dass Sie das ermöglicht haben.“
Auch schon vor dem Ungarischen Aufstand von 1956 half der Speckpater dem ungarischen Volk:
„Auf Grund der fürstlichen Mittel, die Sie mir kürzlich wieder zur Verfügung stellten, spreche ich Ihnen und der großzügigen Ostpriesterhilfe meinen innigsten Dank aus. Diese Hilfe ermöglicht die geistliche Hilfe nicht nur für zehn- sondern für zwanzigtausend Ungarn. Ich hoffe, dass deren Gebet nicht ohne Segen für Sie und die Ostpriesterhilfe bleiben wird.“
heißt es in einem Brief von Msgr. Zagon.
Msgr. Holynskij schreibt für die Ukrainer:
„Ich erachte es als meine Pflicht, der Ostpriesterhilfe meinen Dank auszusprechen für alles, was sie für unsere Priester und Gläubigen aus der Ukraine getan hat. Gott möge Ihre hervorragende Arbeit segnen und Ihre apostolische Arbeit mit Seiner Gnade befruchten.“
So wurde schon damals der Grundstein für das Überleben der Kirche in Osteuropa gelegt, die dann nach dem Ende des Kommunismus eine Auferstehung erlebte und die heute bereits in zahlreichen Ländern (Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen, Polen, Rumänien, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Ungarn) die Wertegemeinschaft der Europäischen Union genießt.
Professor Rudolf Grulich
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