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Weihbischof Dr. Adolf Kindermann (1899–1974) in Neugrafenwalde in Nordböhmen geboren, war noch im ersten Weltkrieg an der italienischen Front, studierte danach in Leitmeritz und Rom Theologie, wurde 1924 zum Priester geweiht und zum Doktor der Philosophie und Theologie promoviert. Als Kaplan wirkte er im Bergbaugebiet in Böhmen, dann ging er zum Weiterstudium des Kirchenrechts erneut nach Rom. 1939 schikanierte ihn am Priesterseminar in Prag die Gestapo und verhörte ihn mehrfach. Dennoch wurde er 1945 auch von den Tschechen verfolgt und vertrieben und kam nach Königstein. Hier baute er zusammen mit Kaller und Werenfried das wichtigste religiöse Zentrum der heimatvertriebenen Katholiken auf mit dem Albertus Magnus Kolleg, der Philosophisch-Theologischen Hochschule, dem Schülerkonvikt und einer Reihe von wissenschaftlichen Instituten. Er kaufte das gesamte Kasernenareal und baute 1954 das „Haus der Begegnung“ als Kongresszentrum. Unermüdlich war er aktiv am Aufbau und Ausbau der „Königsteiner Anstalten“. Von Kardinal Frings wurde er der „Vater der Vertriebenen“ genannt. Die von ihm formulierten vier Etappen der Bewältigung, die Linderung der materiellen Not, die Überwindung des den Vertriebenen auferlegten Schicksals, Vergebung nämlich statt Rache und die Versöhnung mit den Völkern Europas und des Ostens. Mit politischem Weitblick glaubte er fest an das Ende der kommunistischen Herrschaft, sagte dessen Untergang voraus und rief auf, für diesen Tag gerüstet zu sein. Zusammen mit Werenfried van Straaten erwartete er eine Vereinigung Europas, wie wir es heute vorfinden. „Europäer der ersten Stunde“ wurden sie in der Literatur genannt. Sein Wahlspruch als Bischof lautete: „Contra spem in spem“ – Hoffen wider alle Hoffnung – damit glaubte er beharrlich auch in bedrückender Zeit an das Ende der bedrohlichen Herrschaften im Osten. Er suchte beharrlich die Aussöhnung mit den Völkern des Ostens, die er in Königstein bei Kongressen und Tagungen zusammenrief. Er war seiner Zeit voraus, mutig und weitsichtig und ein Vorkämpfer des freien Europa. Ein Mann Gottes mit Ecken und Kanten.
